Florenz und Bagdad: Eine westöstliche Geschichte des Blicks


 
Zum Glück gibt es Belting
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(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)    (REAL NAME)    Rezension bezieht sich auf: Florenz und Bagdad: Eine westöstliche Geschichte des Blicks (Gebundene Ausgabe) Akademischer Wüstenlandschaften zunehmen überdrüssig, möchte ich meine Sehnsucht nach Oasen eigentlich nicht immer damit stillen, die arrivierten Kunsthistoriker zu lesen. Aber jedes Mal, wenn ein Buch von Hans Belting erscheint, kann ich nicht widerstehen. Denn nur wenige schaffen es so leicht wie er, meine Sehgewohnheiten zu verändern, mir neue Blickweisen zu eröffnen und Fragen zu beantworten, die ich eigentlich gar nicht stellte. Ein Mysterium beschäftigte mich allerdings schon lange, ohne dass ich bisher jemanden fand, der es mir anschaulich und einleuchtend erklärte. Es ist dies der perspektivische Blick. Bereits während meiner Gymnasialzeit belästige ich alle Kunstlehrer mit der Frage, wieso in der Kunst plötzlich die Perspektive auftauchte. Haben die Menschen denn vorher die Welt anders wahrgenommen? Klar, alles hat seine Zeit. Auch das Verstehen. Aber es braucht eben auch einen Lehrenden, der Hilfsbrücken baut. Und Hans Belting gehört zu dieser raren Spezies. Wie er das schafft, ist große Kunst und eine Mischung aus geeigneten Beispielen, ungewöhnlichen Analogien und schnörkelloser Sprache.

So wie der über 70jährige Kunsthistoriker Hans Belting die bildende Kunst wahrnimmt, wundert es mich nicht, dass er auch zu den großen Medientheoretikern gehört und in bedeutenden Kunstinstitutionen Einsitz hat. Geistige Frische hat ganz offensichtlich herzlich wenig mit dem Geburtsjahr zu tun. Für mich war und ist Hans Belting ein Lehrer, der bei den Ansprüchen an seine Schüler oder Leser keine Konzessionen macht, der fordert, Aufmerksamkeit verlangt und alle reichlich belohnt, die sich auf seine Erläuterungen einlassen. Mag sein, dass vieles auf geschenkten Talenten beruht. Aber ohne Hans Belting persönlich zu kennen, glaube ich auch, dass er das künstlerische Ringen um die richtige Form verinnerlicht hat und sich nicht mit den erstbesten Lösungen zufrieden gibt. Davon profitieren die Leser dieses Buches. Und wie sehr der Autor die Kunst als allgemein menschliche und universelle Ausdrucksweise versteht, zeugt die Gleichberechtigung östlicher und westlicher Formen. Hier werden keine Weltanschauungen oder Religionen bewertet. Bei Hans Belting geht es einzig und allein um das Sichtbarmachen von Mustern und Ordnungen. Ganz große Klasse.

Mein Fazit: Wer sich für Kunst und Wahrnehmung interessiert, aber noch nie ein Buch von Hans Belting gelesen hat, muss das Versäumte irgendwann nachholen. Und da es im neusten Werk um so fundamentale Dinge wie die Perspektive geht, ist der Zeitpunkt günstig. Lesen, betrachten und mehr verstehen. Auch sich selber.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 14. April 2008
Kundenrezensionen:
3. Zum Glück gibt es Belting (die aktuell angezeigte Rezension)
2. Einfach großartig...
1. Die Entdeckung der Perspektive
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